Name
Das Dülmener Wildpferd ist eine kleine stark gefährdete Pferderasse, die in einem Naturschutzgebiet im Dülmen in Westfalen lebt. Der Begriff „Wildpferd“ bezieht sich auf die halbwilde Lebensweise der rund 300 Tiere, die in dem Gebiet frei leben.
Die Tiere, die außerhalb des Schutzgebietes z.B. als Familien- oder Fahrpferd eingesetzt werden, heißen einfach Dülmener.
Herkunft
Dülmener Wildpferde sind die älteste Pferderasse Deutschlands. Urkundlich erwähnt wurden die Tiere erstmals 1316. Vermutlich gibt es sie aber schon sehr viel länger: Ein Geschichtsschreiber des Caesar beschrieb bereits 55 vor Christus ein „kleines, zotteliges Pferd“ im Gebiet des heutigen Westfalens, das sich schnell fortbewegen konnte.
Anfang des 18. Jahrhunderts gab es auf deutschem Gebiet noch mehrere Wildgestüte, in denen Pferde frei lebten und sich fortpflanzten. Die meisten dieser Gebiete wurden im Zuge der Markenteilungen zwischen 1840 und 1850 aufgelöst, lediglich die Wildbahn im Merfelder Bruch bei Dülmen besteht bis heute. Hier lebt der geringe Bestand weitgehend unbeeinflusst ganzjährig und frei.
Jedoch ist die Zucht streng geregelt, um die Rasse stabil zu halten. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts hatten die Pferde ein sehr uneinheitliches Erscheinungsbild, vor allem Farbe und Größe variierten. Mit der gezielten Einzüchtung anderer Ponyrassen, darunter Welsh-Ponys, Exmoor-Ponys und polnische Koniks, und mit der seit 1984 ausschließlichen Einkreuzung mit graufalben Hengsten, sind diese Merkmale heute typisch.
Aussehen
Das Stockmaß der Kleinpferderasse liegt zwischen 125 und 135 cm, wobei die Tiere erst mit etwa sieben Jahren ausgewachsen sind. Nach drei Jahren sind etwa 85% des Größenwachstums abgeschlossen.
Falben in allen Variationen und mit Wildzeichnungen dominieren, weiße Abzeichen sind bei der Zucht nicht erwünscht. Oft ist der sogenannte Aalstrich von der Mähne bis zum Schweif als typisches Zeichen für Wildpferde zu sehen. Dülmener haben einen ausgeprägten Behang an ihren Fesseln, ebenso sind Mähnen- und Schweifhaare dicht und lang.
Der Kopf ist mittelgroß, ausdrucksstark mit breiter Stirn, großen, intelligenten Augen und kleinen Ohren. Der Widerrist ist mäßig ausgebildet, der Rücken elastisch und muskulös. Die rechteckige Statur wird getragen von stabilen Röhren mit kleinen, harten Hufen und der muskulösen Hinterhand.
Charakter
Die wilde, auf sich gestellte Lebensweise, prägt den Charakter bis heute. Die Tiere sind ausgesprochen widerstandsfähig, robust und ausdauernd. Die exzellenten Futterverwerter können ganzjährig im Offenstall leben und begnügen sich auch mit weniger wertvollem Weidegrund. Sie sind langlebig und fruchtbar bis ins hohe Alter. Dülmener gelten als gutmütig, freundlich, ausgeglichen und lernfreudig.
Besonderheiten
Das Dülmener Wildpferd ist wie die meisten Robust-Pferderassen spätreif. Sie sollten erst nach dem dritten, besser noch nach dem vierten Lebensjahr in Beritt genommen werden, da das Wachstum vorher nicht abgeschlossen ist und Knochen- und Bewegungsapparat beschädigt würden.
Sportarten
Außerhalb der Wildbahn schätzt man Dülmener als vielfältige Kleinpferde. Überwiegend werden sie als Reitpferde für Kinder eingesetzt. Die kräftigen „Gewichtsträger“ eignen sich aber für größere Familienmitglieder als Reitpferd.
Auch im Kutsch- und Fahrsport findet man die Kleinpferde, die mühelos auch größere Distanzen absolvieren.
Aufgrund ihres Gemüts und des taktreinen, elastischen Bewegungsablaufes werden die Ponys auch zum Voltigieren verwendet. Zudem setzt man sie mit großem Erfolg im Bereich des therapeutischen Reitens ein.